“Der Glaube lebt von Gottes Wort und dem Gebet.”

An dieser Stelle finden Sie für jede Woche ein Gebet und meistens die Predigt des vergangenen Sonntags zum Nachlesen. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen!

ältere Predigten

Kantate: Singt!

Die Aufforderung, die im Namen dieses Sonntags steckt, klingt in meinen Ohren wie Hohn. Singt! Und wir dürfen nicht singen! Die Gemeinde ist vermummt und verstummt und ein Virus hat das Sagen, was für ein jämmerlicher Zustand! Da ist mir eher zum Klagen zumute und zum Fragen: Wie lange noch?

Ganz im Gegensatz dazu singen die Jünger im Predigttext vor lauter Freude. Sie schmettern ein Loblied nach dem anderen. „Wes des Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Sie erinnern sich an alle Wunder, die sie in den vergangenen Wochen und Monaten mit Jesus erlebt haben. Ja, sie haben den Anbruch des Reiches Gottes erlebt, nicht im Großen und Ganzen, aber bei einzelnen Menschen: Menschen wurden gesund, sie haben wieder Hoffnung geschöpft, sie fanden zum Glauben. Wie Zachäus, der Zöllner. Zachäus, der Oberzöllner von Jericho, dieser Betrüger, der den Leuten das Geld aus der Tasche zog. Doch Freunde hatte er nicht. Niemand konnte ihn leiden. Alle machten einen Bogen um ihn. Doch Jesus besucht ihn. Das verändert Zachäus. Er dreht seine Beutel um und verteilt sein Geld an die Armen. Zu ihm sagt Jesus: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren!“ Auch Zachäus, der Sünder, darf ein Sohn Abrahams und Kind Gottes sein! Ein Verlorener ist gefunden! Darüber freuen und jubilieren die Engel im Himmel. Ja, die Engel haben ja den Gesang zuerst angestimmt. So erzählt es die Weihnachtsgeschichte, als Jesus geboren wird, singen sie den Hirten auf den Feldern von Bethlehem ein Loblied vor: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen des Wohlgefallens.“ Wie ein Echo klingen die Loblieder der Jünger vor dem Einzug nach Jerusalem. Voller Überzeugung stimmen sie in den Engelsgesang mit ein. Obwohl sie  noch nicht viel von dem angekündigten Frieden auf Erden sehen. Darum singen sie: „Frieden sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Auf Erden herrscht noch kein Frieden. Ja, sie haben erlebt, wie einzelne Menschen den Frieden erfahren haben. Wer Jesus begegnet, für den öffnet sich der Himmel. Und die Jünger sind mit dabei. Sie sehen und hören es. Kein Wunder also, dass das Herz der Jünger vor Freude zerspringt und sie nicht an sich halten können. Sie müssen Lärm machen. Wie Fans in den Fussballstadien. So laut, dass es wirklich auffällt und die Menschen herzulaufen, ihre Kleider ausziehen und sie als Teppich auf die Straße legen – für den König, der vor ihren Augen in die Stadt einzieht.

Das aber ist gefährlich. Eine politische Provokation gegen die Römer, denen Judäa seit 6 n.Chr. als römische Prokuratur direkt unterstellt ist. Darum bitten einige Pharäisäer:  „Jesus, sag deinen Jüngern, dass sie mit ihren Gesängen aufhören. Zu gefährlich, viel zu gefährlich!“ Doch Jesus hört nicht auf sie. Er sagt ihnen vielmehr: „Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien!“ Ist dieses Wort eine düstere Vorahnung? Nur wenig später erreichen Jesus und seine Jünger den Abhang des Ölbergs, von wo aus man eine herrliche Aussicht auf Jerusalem hat. Es liegt einem direkt vor Füßen. Als Jesus die Stadt sieht, weint er über sie: „Wenn doch auch du erkennen würdest, was zum Frieden dient!“ Doch Jerusalem ist der Frieden verborgen. Wenige Jahre später wird die Stadt durch die Römer dem Erdboden gleichgemacht, es wird viel Blut vergossen werden und kein Stein auf dem anderen bleiben. So werden die Steine schreien, zum Himmel schreien wie das Blut Abels zum Himmel schrie, als Kain seinen Bruder ermordet hat. Nein, der Frieden herrscht nicht auf Erden, bis heute ist Jerusalem nicht zur Ruhe gekommen und immer noch ein Zankapfel der Völker.

Liebe Gemeinde, trotz allem: Singt! Auch wenn der Frieden noch aussteht. Auch wenn es noch viel Leid in dieser Welt gibt, das Singen darf uns niemand verbieten. Solange es aus infektionsschutzgründen gemeinsam noch nicht wieder möglich ist, lasst uns zuhause singen, für uns allein oder zu zweit, in der Familie. Denn: Wir sind mit dem unterwegs, der den Frieden bringt. Er soll unsere Herzen ausfüllen, er soll sie befrieden und uns froh machen. Er, der Auferstandene, will unsere Herzen regieren und sein Frieden soll sich ausbreiten an allen Orten. So singt von dem, was euch erfüllt. Welche Lieder sind in uns lebendig? Als Kind habe ich beim Spielen immer vor mich hergesummt und gebrummt. Das waren wohl noch keine richtigen Lieder. Aber die kamen dazu. In der Kinderkirche, im Jugendkreis. Im Krankenhaus, wo wir gesungen haben, im Chor. Die Lieder, die Musik, sie schwingt überall. Hören wir sie? „Hört, hört ihr nicht die Lieder um euch her? Hört, ihre Worte rauschen wie das Meer. Lieder kommen, Lieder gehen. Von dem Liedertreiben wird nur eines bleiben, singt, das Lied der Lieder von dem Herrn der Herren, gebt ihm eure schönsten Melodien. Singt es immer wieder, spielt es ihm zur Ehre, gebt das Beste, was ihr habt, für ihn.“  Ein Lied, das ich im Schülerbibelkreis kennengelernt habe. Ja, dort im Schülerbibelkreis oder auch dort im Krankenhaus war das Singen auch gleichzeitig ein Bekenntnis vor der Schule mit ihren Schülern und Lehrerinnen, vor den Ärzten und Pflegerinnen: Wir singen von dem, der den wahren Frieden bringt und unsere Seele gesund macht. Ja, Musik hat die Macht, unsere Seele zu heilen. Darauf weisen nicht umsonst Musiker unserer Tage hin. Umso mehr aber, wenn wir dem Retter und Heiland singen und ihn bekennen. Lieder zeigen, an wem wir hängen: „Wes Lied ich sing, des Brot ich ess.“ sagt Martin Luther im Blick auf die Fürsten seiner Zeit. Gerade er, als kleiner Mönch und Professor wusste um die Gewalt der Mächte von Papst, Kaiser und Fürsten. Dass er dabei nicht zerrieben wird, sondern standhaft auf dem Wormser Reichstag im April des Jahres 1521 vor dem Kaiser und den Gesandten des Papstes wiederholt zu seiner Überzeugung steht, erzeugt Respekt bis heute, genau 500 Jahre später.

Singt, singt es mit dem Wind, solang er weht, singt, singt es auch noch, wenn der Wind sich dreht. Lasst die Herren dieser Welt euch doch niemals zwingen nur für sie zu singen. Singt das Lied der Lieder von dem Herrn der Herren. Gebt ihm eure schönsten Melodien, singt es immer wieder, spielt es ihm zur Ehre. Gebt, das Beste, was ihr habt, für ihn.“

 

Wir wollen für Jesus singen und ihn damit loben. Doch noch können wir es nicht gemeinsam tun, obwohl es auch uns selbst so gut tun würde. Lasst mich schließen mit einigen Bemerkungen über die Wohltat des Singens:

Singen tut Körper und Seele gut. Diese alte Volksweisheit haben längst auch Wissenschaftler untersucht und festgestellt, dass Singen die Abwehrkräfte und die Psyche stärkt. So haben etwa Wissenschaftler der Universität Göteborg bei Menschen, die im Chor singen, die Herzfrequenz gemessen. Das Ergebnis: Beim Singen in der Gruppe gleichen sich die Herzfrequenzen an und stabilisieren sich gleichzeitig. Das bedeutet: Singen stärkt unsere Gemeinschaft, unser Miteinander und wirkt zusätzlich wie eine Medizin für das Herz. Sie haben auch Speichelproben genommen. Das Ergebnis: Die Anzahl der Immunglobuline A waren stark gestiegen. Sie sitzen in den Schleimhäuten und bekämpfen Krankheitserreger. Singen stärkt also auch das Immunsystem.

Auch die Psyche wird gestärkt. Schon nach 30 Minuten Singen produziert unser Gehirn mehr Hormone wie Beta-Endorphine und Serotonin. Stresshormone wie Cortisol werden dagegen gleichzeitig abgebaut. Singen fördert also die Zufriedenheit und die Freude. Diese Erfahrung kann jede und jeder machen: Singen macht einfach glücklich. Ende des Werbeblocks!

Also, lasst uns Singen! Zunächst jede und jeder für sich zuhause. Aber ich freue mich schon darauf, wenn wir draußen sind und die Inzidenz unter 200 gesunken ist, dass wir dann auch gemeinsam singen. Zu unserer Freude und zu seiner Ehre.

„Singet und spielet dem Herrn, denn er tut Wunder.“ Amen.

Apostelgeschichte 17,22-34

Liebe Gemeinde,

Paulus in Athen. Wenn ich das höre, muss ich an den Urlaub denken. Athen, Griechenland, Spanien, Sommer, Sonne, Strand – das wärs jetzt! Aber diese Orte sind momentan nicht erreichbar.

Doch Paulus befindet sich auf keiner Urlaubsreise, sondern auf einer Missionsreise. Seit seinem Traum, in dem ein Mann aus Mazedonien gefleht hat: „Komm herüber und hilf uns!“ verkündet er das Evangelium in Europa. Nun ist er also in Athen und schaut sich die Stadt an. Er kommt auch mit Philosophen, mit Epikuräern und Stoikern, ins Gespräch, die ihm misstrauisch begegnen. Sie fordern ihn schließlich auf: „Erzähle uns auf dem Areopag, dem Marktplatz von Deiner Überzeugung.“ Denn sie sind bei aller Skepsis über diesen Wanderprediger neugierig und gespannt, ob Paulus etwas Neues bietet. Und da steht Paulus und redet zu einer Gruppe von Menschen, die sich um ihn gesellen und Passanten, die vorbeikommen, bleiben stehen und hören mit zu. Einige bleiben nur kurz, weil sie keine Zeit haben, andere hören gespannt zu, was dieser Fremde zu verkündigen hat. Was hat das, was Paulus zu sagen hat, für eine Relevanz? Welche Bedeutung hat es für mein Leben? So geht es uns auch, wenn uns etwas Neues begegnet. Das altbekannte und vertraute nehmen wir hin, wir überlegen nicht mehr, wie sinnvoll es ist, sondern wir tun es einfach. So war der christliche Glaube über viele Jahrhunderte prägend für Europa. Er hat Traditionen gebildet, die den Alltag der Menschen beeinflusst haben, wie das Fasten in der Passionszeit oder die kirchlichen Feste an Ostern, Fronleichnam, Weihnachten oder Erntedank. Es werden Weihnachtsbäume aufgestellt, Sterne gebastelt, Mutscheln gebacken, an Allerheiligen Lichter auf den Friedhöfen angezündet, Ostereier gesucht und Erntegaben in die Kirche getragen und vieles mehr. Und erst seit einigen Jahrzehnten nimmt dieser Einfluss ab. Die Traditionen werden nicht mehr an die nächste Generation weitergegeben und es fällt viel schwerer, Menschen damit zu erreichen. Wir nähern uns wieder der Zeit an, als Paulus in Athen stand, dem Ground Cero, von dem aus das Evangelium seinen Lauf in Europa begonnen hat. Und Menschen sind wieder neu sensibel geworden für die Frage: „Welche Bedeutung hat das Evangelium für mein Leben?“ Und da gibt es viele Meinungen und Strömungen, die neben dem Evangelium stehen. Es leben heute Anhänger der unterschiedlichsten Religionen und Weltanschauungen unter uns – das Christentum und die Kirchen sind nur eine von vielen Sinnangeboten. Wie damals, als Paulus in Athen stand. Damals stand seit langem die griechische Philosophie hoch im Kurs, daneben aber verehrten die Menschen ihre tradierten Götter – Zeus, Helene, Dyonisios, Poseidon,,… und wie sie alle heißen, für jeden Gott hatten sie einen Altar gebaut. Paulus sieht es. Für ihn, den gläubigen Juden, der nur einen Gott verehrt, muss es ein Graus  gewesen sein. Doch er lässt sich nichts anmerken. Er sucht nach dem Gemeinsamen, das verbindet, nach dem, woran er anknüpfen kann. Und ihm fällt ein Altar auf, der dem „unbekannten Gott“ gewidmet ist. So als ob die Athener ahnen und spüren, dass es neben ihren altbekannten Göttern noch einen anderen gibt, der ihnen unbekannt ist. „Von diesem Gott, den ihr unwissend verehrt, verkündige ich euch!“ kündigt Paulus an.

Dieser Gott lässt sich nicht darstellen durch menschliche Kunst. Er braucht also keinen Altar und keinen Tempel. Er ist auch nicht auf menschlichen Dienst angewiesen. Er braucht nichts zu essen und zu trinken. Denn vielmehr gibt er selbst jedermann Leben und Atem, ja, er ist der Schöpfer von Himmel und Erde und allem, was ist. Paulus denkt an die biblische Schöpfung, in der Gott den Menschen aus Erde formt und ihm seinen Geist einhaucht und ihn so fortwährend am Leben erhält, bis er seinen Atem zurücknimmt und der Mensch wieder zur Erde wird. Schon hier klingt das Thema des Sterbens und des Todes an. Dem Menschen ist eine bestimmte Zeit zugemessen, auf der Erde zu leben. Diese Begrenzung aber, lässt uns Menschen weiter fragen nach dem Jenseits. Nach dem, was hinter dem Horizont kommt. Dieses griechische Wort „Horizont“ taucht mehrmals in der Rede von Paulus auf und es prägt unser Leben fundamental: Der Horizont begrenzt unser Leben.Unser Leben spielt sich in einem zeitlichen und räumlichen Horizont ab. Unsere Grenzen sind abgesteckt. Doch damit geben wir uns nicht zufrieden. Die Wissenschaft, die Philosophie, die Technik versucht, die Grenzen des Machbaren immer weiter zu verschieben. Wir greifen zugleich nach den Sternen und erforschen die kleinsten Bausteine des Lebens. Trotzdem bleiben wir immer im Diesseits. Wir bleiben immer in den Grenzen der Schöpfung Gottes. Auch die Religionen dieser Welt bleiben innerhalb dieser Grenzen. Sie machen sich Götter aus dem, was die Schöpfung hergibt und ihre Vorstellung über die Götter sind alle menschlich und begrenzt. Es gibt nur diese Ahnung, dass es etwas gibt, was größer als der Horizont ist, was unser Leben übergreift, was jenseits des Horizontes liegt: „Hinter dem Horizont geht’s weiter!“

Doch zu erkennen, was hinter dem Horizont ist und dorthin zu gelangen, das können wir nicht. Nun aber taucht dieser Paulus auf und erzählt von dem Gott, der jenseits der Welt und des Universums steht, der Himmel und Erde selbst gemacht hat. Gespannt lauschen die Athener. Sollte dieser Fremde tatsächlich etwas Neues verkündigen, was etwas für unser Leben bedeutet?

„Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ ER ist nicht abhängig von uns, wir sind es. Wir können nichts über ihn wissen, er weiß alles über uns. Nicht wir haben ihn gemacht, er hat uns gemacht. Mit diesen wenigen Worten stellt Paulus die Grundüberzeugung der heidnischen Griechen auf den Kopf, um sodann wieder eine Verbindung herzustellen: „Wir sind seines Geschlechts, göttlichen Geschlechts.“ Während seine Zuhörer vermutlich daran denken, dass alles Natürliche zugleich auch Göttlich ist, benützt Paulus ein Zitat von Aratos von Soloi, um zu sagen: „Wir sind Gottes Ebenbild.“ Er hat uns zu seinem Gegenüber gemacht und will etwas mit uns zu tun haben. Er will, dass wir ihn kennenlernen. Er offenbart sich uns. Erst jetzt kommt Paulus auf Jesus zu sprechen. Und er redet nicht über sein Leben, er redet nicht von seinem Sterben, sondern einzig von seiner Auferstehung von den Toten. Ihr Athener: Hier ist einer, den Gott, der jenseitig Dieseitige, dazu bestimmt hat, als Mensch durch den Horizont zu gehen, der alles begrenzt, nämlich den Tod. Und dieser eine Mensch ist Jesus, der vom Tod Auferstandene. Er ist der neue Maßstab, der, der uns alle richten wird. Jesus ist für Paulus der Beweis, dass Gott die Grenzen zum Himmel geöffnet hat. Darum fordert er die Athener auf: Denkt um! Metanoia! – Begreift, dass mit Jesus etwas Neues begonnen hat, etwas, was uns hinter den Horizont bringt. Wer Jesus glaubt, hat ewiges Leben.

Welche Bedeutung, liebe Gemeinde, hat das für mein Leben – hier und jetzt? Wenn Gott mir durch Jesus Ewiges Leben schenkt?

Jeden Tag werden wir älter. Das macht unsere Gesundheit nicht besser. Irgendwann versagt unser Körper und wir sterben. Krankheiten kommen und überwältigen uns. Das ist der Lauf der Zeit, die an unserer Leiblichkeit nagt.  Davor fürchten wir uns. Darum gewinnt ein kleines Virus solche Macht und stellt unser Leben in diesen Tagen auf den Kopf.

Doch Gott sagt: Hinter dem Horizont geht’s weiter.

Wenn mein Leben eingebettet ist in den großen Horizont der Ewigkeit Gottes – dann relativiert sich so vieles. Dann kann ich gelassen und ruhig sein, ruhig sein in meinem Gott. Denn er sorgt für mich jetzt für allezeit. Bei ihm bin ich geborgen, egal, was kommt. Vertraue ich Gott?

Gebet: HERR, fülle mich neu mit Glauben, gib mir Mut gegen die Verzagtheit und Hoffnung gegen die Resignation. Lass mich erkennen, dass Du alles neu machst, auch wenn mir das schwerfällt, zu glauben. Lass nicht zu, dass Angst die Oberhand behält, sondern befreie Du mich. Schenke mir ein neues Denken und eine Umkehr zu Dir. Amen.

Liebe Gemeinde,

dieser alte prophetische Text aus dem Propheten Hesekiel spricht verblüffend aktuell in unsere Zeit hinein. Er handelt vom Hirtenamt der Verantwortlichen, von ihrer Fürsorgepflicht.

Es erschreckt uns, dass sich unlängst CDU Abgeordnete des Bundestages bei der Beschaffung von Schutzmasken in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Mitglieder der Regierungspartei bereichern sich persönlich bei der Ausübung ihres Amtes. Sie verhalten sich wie die Hirten, von denen Hesekiel spricht, weil sie in einer solch prekären Situation  wie der Pandemie ihr Amt missbrauchen!

Es gibt solche und solche Hirten. Nicht alle Hirten werden ihrem Auftrag gerecht, die Schafe wirklich zu hüten. Sich um sie zu sorgen, sie vor den Gefahren zu schützen, denen die Schafe ausgesetzt sind. Jesus nennt die Hirten, denen die Schafe gegen Lohn anvertraut sind, Mietlinge: Die Schafe gehören ihnen nicht, sie sind angestellt. Die Schafe sind nicht ihre eigenen Tiere, es liegt ihnen persönlich nichts an ihnen und sie kennen die Schafe nicht. Doch ein Hirte muss die ihm anvertrauten Schafe kennen. Schafe sind schreckhafte Tiere, nur wenn sie sich sicher fühlen, lassen sie sich nieder und grasen, nur dann nehmen sie genügend Nahrung zu sich und gedeihen. Ein Hirte muss erkennen, wann und warum ein Schaf unruhig ist. Einen solchen Hirten beschreibt David in Psalm 23 und Jesus nennt sich selbst den guten Hirten. Er ist der gute Hirte, der uns kennt. Er kennt uns mit Namen und weiß, was wir brauchen. Er setzt sich für uns ein mit seinem Leben. Er geht dem Verlorenen nach und sucht das Verirrte. Er bringt es zurück nach Hause.

Doch auch wir Menschen sind beauftragt einander zu hüten und zu weiden. Schon als Kinder können wir das lernen. Wenn wir die Aufgabe haben, auf unseren kleinen Bruder oder unsere kleine Schwester aufzupassen. Vor einigen Wochen haben wir in der Jungschar einen Stationenlauf gemacht. Da tauchte auch eine syrische Familie auf – ohne Eltern, dafür schauten uns fünf Kinder erwartungsvoll an. Die Älteste war ein Mädchen von 10 oder 11 Jahren. Der jüngste schlief noch im Kinderwagen. „Alle Achtung“ habe ich gedacht. Die älteste Schwester passt auf ihre jüngeren Geschwister auf, ihre Mutter hat ihr das aufgetragen.

Je älter wir werden, desto mehr Verantwortung für andere wird uns anvertraut. Vielleicht in einer Gruppe als Jungscharleiter oder als Mesnerin oder Glöckner für die Kirche. Eine ganz große Aufgabe bekommen wir als Eltern, wenn wir unsere Kinder versorgen und erziehen dürfen. Es ist eine große und schwere, aber auch beglückende Aufgabe. Schritt für Schritt lernen wir, was es heißt, Vater und Mutter zu sein und die uns anvertrauten Kinder ins Leben zu begleiten. Wie oft hat meine Frau die Kinder nachts gestillt, auch wenn sie selbst müde war. Wie viele nächtliche Stunden haben wir am Bett eines unserer Kinder zugebracht, wenn es krank war. Wie viele Male die Kinder getröstet, wenn eines hingefallen ist. Später bei unseren Schulkindern galt es dann, bei den Hausaufgaben zu helfen bis hin zum Homeschooling. Leider wird es uns Eltern heute durch die Doppelbelastung von Beruf und Familie schwer gemacht, Zeit zu haben, um für unsere Kinder da zu sein. Gut, dass es Einrichtungen gibt, die uns dabei helfen, wie Krippe und Kindergarten, aber sie können die Beziehung der Kinder zu uns Eltern nicht ersetzen. Beziehungen können wir nicht delegieren! Aber auch Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer genauso wie Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, die sich um unsere Gesundheit kümmern, sorgen sich um uns.  Ebenso auch Psychologinnen und Psychologen, die sich um unsere seelische Gesundheit – Pfarrerinnen und Pfarrer um unsere geistliche „Gesundheit“ kümmern. Pflegende in den Seniorenheimen sorgen sich um die alten und dementen Menschen, die ihnen anvertraut sind. Was Pflegende leisten, das haben wir in den vergangenen Monaten besonders wahrgenommen! Unternehmer bieten Beschäftigung und tragen Verantwortung für ihre Beschäftigten, Polizistinnen und Polizisten hüten uns vor den kriminellen Gefahren und sorgen für rechtstaatliche Ordnung. Bürgermeister sorgen sich um ihre Gemeinde. Wie wichtig es ist, dass jeder seine ihm anvertraute Aufgabe verantwortungsvoll wahrnimmt erleben wir derzeit hautnah durch die Coronapandemie. Hier zeigt sich, wie wichtig die Fürsorgeaufgabe des Staates ist. Es ist gut, dass der Staat die Maßnahmen zu unserem Wohl, zu unserer Gesundheit ergreift. Natürlich bedarf es einer Abwägung, wie verhältnismäßig Maßnahmen sind und welchen Schaden die Maßnahmen selbst hervorrufen. Doch der Regierung zu unterstellen, sie wolle damit uns Bürger schikanieren, ist eine böse Unterstellung. Dass sie versucht, an möglichst alle zu denken und die Folgen, die es für die Wirtschaft, die Bildung, die Kultur, die Religion und den Sport gibt, in Grenzen zu halten und aufzufangen, will ich ihr glauben. Natürlich passieren dabei auch Fehler – aber:  Der Wille, das Volk zu „hüten“, auf es aufzupassen und zu versorgen, ist doch erkennbar!

Andererseits sind wir als Bürgerinnen und Bürger eines Staates keine kleinen Kinder, sondern erwachsene Menschen, die auch für sich selbst sorgen können und müssen. Wir wollen nicht bevormundet werden und wollen auch selbst für uns Verantwortung übernehmen. Ohne dass wir uns freiwillig an den Infektionsschutz halten, ist der Staat in dieser Pandemie machtlos. Übernehmen wir also weiter Verantwortung für uns und andere und helfen wir alle mit, dass die Pandemie überwunden wird! Und vergessen wir nicht, Gott um Hilfe zu bitten. Seine Macht ist größer als unsere staatliche und medizinische Möglichkeiten. Er ist der Hirte, der nicht unseren menschlichen Grenzen unterworfen ist. Er ist der Hirte, dem wir uns bedingungslos anvertrauen können.

Liebe Gemeinde,

dass sich Regierende um das Wohl der Menschen kümmern, ist also ganz und gar biblisch. Doch zugleich ist das auch ein Wunsch- und Idealbild. Die Realität ist eben auch, dass viele Verantwortungsträger nach sich schauen. Korruption und Betrug sind an der Tagesordnung. So war es im vorexilischen Israel, so ist es in vielen Ländern heute und auch wir in unserem Land sind davon nicht frei. Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die den Verantwortlichen auf die Finger klopfen und sie ermahnen, ihrer Aufgabe für die Allgemeinheit nachzukommen. Damals waren es die Propheten, heute sind das vielleicht die Journalistinnen und Journalisten, aber auch Pfarrerinnen und Pfarrer, Politikerinnen und Politiker.

Wenn das nicht geschieht, versinkt ein Staatswesen. Israel ist untergegangen, die Bevölkerung deportiert worden. Für die Propheten war das ein gerechtes Gericht Gottes. Was wird mit uns geschehen? Ich denke auch an das Große und Ganze – an Klima und Umwelt. An unsere Erde, die uns anvertraut ist. Im Schöpfungsbericht heißt es, dass wir Menschen die Erde bebauen und hüten (bewahren) sollen (Gen. 2,15). Durch unseren Lebensstil beuten wir sie dagegen aus, wir zerstören sie und damit die Grundlage unseres Lebens. Das Klima bringen wir aus einem lebensfreundlichen Gleichgewicht, so dass es unsere Kultur zerstören wird.

Nehmen wir die Worte des Propheten auch heute ernst!

Nehmen wir aber auch mit, dass trotz aller menschlichen Stärken und Schwächen Gott der bleibt, von dem wir zu jederzeit Hilfe erwarten können und dürfen. Er ist unser guter Hirte. Amen.

Liebe Gemeinde,

im Frühjahr dieses Jahres treffen sich zwei Freunde zum Angeln an einem Weiher. Es ist schon dämmrig, sie haben es auf die Aale abgesehen, die sie am Grund des Weihers vermuten. Sie freuen sich auf einen guten Fang. Einer von beiden muss austreten, er steht auf, stolpert, schlägt kopfüber auf einen Stein und plumpst die Böschung in den Weiher hinein. Regungslos treibt er dort, das Gesicht im Wasser zur Mitte des Weihers. Sein Freund bekommt Angst. Was ist mit meinem Freund? denkt er. Warum bewegt er sich nicht? Er wirft seinen Angelhaken nach ihm aus, um ihn an Land zu ziehen. Der Haken verfängt sich in der Jacke, aber der Freund ist zu schwer. Er kann ihn nicht ans Ufer bringen. Kurzentschlossen springt der Angler in den Weiher. Mit ein paar Zügen ist er bei seinem Freund und bringt ihn ans Ufer, dreht ihn mit dem Gesicht nach oben, hält ihn, dass er nicht untergeht. Doch nun ist er selbst gefangen. Das Wasser ist tief, er kann gerade mal auf seinen Zehenspitzen stehen und er bringt seinen Freund nicht allein die Böschung hoch. Gott sei Dank hat er sein Handy in der Jacke, ein wasserdichtes Handy. Er informiert den Rettungsdienst. Und wartet. In eiskaltem Wasser, es hat keine 10 Grad. Nach 20 Minuten erreichen die Rettungskräfte den Weiher und ziehen beide völlig unterkühlt aus dem Wasser. Der Freund, ohnmächtig durch seinen Sturz überlebt dank des beherzten Eingreifens seines Freundes.

Liebe Gemeinde,

da setzt einer sein Leben für seinen Freund aufs Spiel. Eine Szene, wie sie überall auf der Welt schon vorgekommen ist und vorkommt: Da setzt sich jemand selbstlos für einen Mitmenschen ein.

„Ich ermahne euch nun, liebe Brüder durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist.“ (V.1) Paulus ruft die Gemeindeglieder in Rom auf, sich hinzugeben für den Dienst für Gott. Er schaut dabei auf seine Vergangenheit. Ruft sich in Erinnerung, wie er die Gemeinde Jesu Christi verfolgt hat im Eifer für Gott, um ihm zu dienen. Und wie Jesus Christus ihn gestoppt hat in seinem Vorhaben und er erkennen durfte, wer Jesus Christus ist. Er hat nur ein Wort dafür übrig: Barmherzigkeit. Gott hat sich über mich erbarmt. So hat Jesus diesen Paulus gewonnen und ihn zu seinem Diener gemacht. Nun läuft er für ihn durch die ganze Welt, ruhe- und rastlos, sein Auftrag ist groß. Er setzt sein Leben ein, gibt es hin für Jesus, um Menschen für Jesus zu gewinnen. Überall, wo er hinkommt, gründet er Gemeinden. Er ruft die Gemeindeglieder auf, für Jesus zu brennen. Sich in seinen Dienst zu stellen wie eine Kerze, die ihr Wachs verbrennt, um die Dunkelheit zu erhellen.

In den vergangenen Wochen haben wir in unserer Familie viele Kerzen entzündet. Die Kerzen am Adventskranz, den  Schwippbögen, am Christbaum, einzelne Kerzen. Ihrem lebendig warmem Schein könnte ich stundenlang zuschauen. Doch das Leuchten hat seinen Preis. Das Wachs schwindet, die Kerze verzehrt sich. Bin ich bereit, diesen Preis zu zahlen und mich so einzusetzen für meine Mitmenschen, mich hinzugeben im Dienst für Jesus. Ich merke, dass ich dabei müde werde. Soviel Mühe, soviel Ringen und immer wieder neu sich aufmachen. Und so viel scheint dabei auch vergeblich gewesen zu sein. Sieht man etwas von all der Mühe? Lohnt sich der Einsatz? Es kommt mir so vor, dass diese Mühe verpufft wie die Wäsche, die gewaschen wird, Tag für Tag und man ist doch nie fertig, immer türmt sich neue Wäsche auf. Da möchte man resigniert und erschöpft auf den Stuhl sinken.

Oder ich denke an die Krankenhäuser, wo seit Wochen die Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger auf den Intensivstationen um die Covidpatienten kämpfen. Und sie sterben ihnen unter den Händen weg. Und immer noch mehr kommen auf die Stationen. Wie ein Kampf gegen Windmühlen ist das.

Sind wir müde geworden? Gerade in diesen Wochen und Monaten, in denen wir alle unter den Folgen der schwersten Epidemie der letzten Jahrzehnte leiden, gerade jetzt ruft uns Paulus zu, uns hinzugeben. Es ist keine moralische Ermahnung, kein Verbot, wie wir es in den vergangenen Monaten staatlicherseits so oft gehört haben, dieses und jenes zu unterlassen. Es ist ein Aufruf, hoffnungsvoll mit dieser Situation und mit unseren Mitmenschen umzugehen und es als ein Dienst für Gott, als einen Gottesdienst zu begreifen. Dass das Wachs schwindet, saubere Wäsche wieder schmutzig wird, dass Menschen trotz Medizin und Pflege sterben und unser Dienst uns Mühe macht, ist nur die eine Seite. Der Lichtschein, der die Dunkelheit wohnlich macht, der gute Geruch frischer Wäsche, die Freude über den Patienten, der es schafft, ist die andere Perspektive, zu der wir eingeladen sind. Die Botschaft der letzten Monate an uns war, dass alles von uns abhängen würde. Das ist erdrückend. Aber Paulus will die Christen in seiner Aufforderung, sich hinzugeben, nicht moralisch erdrücken. Weil Gottes Handeln in dieser Welt und unserem Leben hoffnungsvoll ist, sind wir eingeladen und aufgefordert uns mit unserem Leben in sein Handeln hineinnehmen zu lassen. Unser Dienst hängt dabei nicht von uns ab und der Erfolg oder Misserfolg nicht von unserer Mühe oder Motivation. Hingabe ist das Gegenteil von Berechnung und Effizenz. Hingabe ist von Vertrauen geprägt. Vertrauen darauf, dass Gott der Handelnde bleibt auch in all dem Schwierigen und Unlösbaren, was wir erleben. Wenn wir uns also darauf einlassen, dann verhalten wir uns nicht einfach nur konformistisch (weil es so geboten ist und es alle so machen), sondern wir handeln aus unserem Glauben heraus.

Es ist sehr wichtig, dass wir nun im zweiten Lockdown trotz allem Gottesdienste feiern können – wenn auch ohne Gesang – das ist schmerzlich – und es ist ja auch gefahrlos durch den Infektionsschutz, den wir betreiben. Doch unser Gottesdienst ist nicht alles, im Gottesdienst soll sich unser Dienst für Gott nicht erschöpfen. Unser Gottesdienst fängt so richtig erst an, wenn wir nach dem Gottesdienst nach Hause gehen. Dort, in unserer Familie, in der Nachbarschaft, in unserer Firma, in der Schule, wo immer wir hingestellt sind, sind wir aufgerufen, Gott zu dienen: „Das sei euer vernünftiger Gottesdienst“ – der Gottesdienst des Alltags. Dieser Aufruf ist gerade jetzt wichtig, weil durch den Lockdown unser Miteinander und die Gemeinschaft auf Sparflamme gestellt ist. Jede und jeder hat sich zurückgezogen in die eigenen vier Wände und sich eingebunkert. Doch Solidarität und Miteinander können so nicht überleben. Es ist jetzt an der Zeit, dass wir uns umeinander kümmern. Dass wir jetzt Gott dienen und in aller Besonnenheit Schritte tun, die ihm gefallen. Wir müssen geistlich in Verbindung bleiben, im Training bleiben, dass wir nicht einrosten.

Paulus ruft uns zu: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr Prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ (V.2)

Sich zu ändern ist herausfordernd und anstrengend. Es erfordert unsere Motivation. Wir erhalten sie nur, wenn wir in Verbindung bleiben mit Jesus. Aufmerksam auf ihn hören im Gebet und im Lesen seines Wortes. Dass wir uns fragen, was dran ist, was der nächste Schritt ist in seiner Nachfolge. Dass wir fragen, was sein Wille ist. Das ist ja keine leichte Frage. Wie viele fragen sich: „Herr, was ist dein Wille?“ Denn sein Wort, das wir lesen können, gibt uns darauf auch keine konkrete Antwort. Es gibt uns nur Leitlinien, es zeigt uns eine Spur. Paulus umschreibt diese Spur, wenn er Gottes Wille umreist mit den Worten: „das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene“. Er redet zu Heiden und Judenchristen. Nicht alle Gemeindeglieder konnten das Alte Testament (das Neue gab es ja noch nicht) lesen und verstehen. Aber das ist nach Paulus auch nicht notwendig. Denn als Christen sind wir durch Gottes Geist verbunden mit Gott selbst und auch untereinander. Und dieser Geist Gottes bewegt uns: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“ ruft uns Paulus im Wochenspruch zu. Amen.

Liebe Gemeinde,

beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. In der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem aber gehörte es dazu, seinen Besitz zu teilen. Ihre Freundschaft macht beim Geld und Besitz nicht halt. Dass die Urgemeinde dort beschrieben wird als eine Gemeinschaft, die ein Herz und eine Seele ist, wirkt sich auf den Umgang mit ihrem Besitz aus, den sie miteinander teilen, damit jeder das bekommt, was er braucht und zum Leben benötigt. In dieser Urgemeinde erfüllt sich die alttestamentliche Verheißung des Erlassjahres für das Gottesvolk (Dtn 15,4): „Unter ihnen wird es keinen geben, der Not leidet.“ Ein solches Erlassjahr soll nach dem Gesetz alle sieben Jahre stattfinden. Nach der Apg. aber soll es immer so sein wie im Erlassjahr. Denn seit Golgatha, seit Jesus Christus die Schuld auf sich genommen hat und uns die Schuld erlässt –  seit er sich mit seinem ganzen Leben für uns eingesetzt hat und wir durch seine Güte frei geworden sind, ist er unser Vorbild für den Umgang miteinander. Wenn er uns die Schuld erlässt, wie können wir auf der Schuld des anderen beharren und sie erbarmungslos einfordern? Im Gleichnis vom Schalksknecht hat Jesus selbst uns die Unmöglichkeit eines solchen Verhaltens aufgezeigt: Diesem Knecht erlässt sein Herr eine riesige Summe, die er nie hätte bezahlen können. Befreit geht er hinaus. Doch er selbst bringt es nicht übers Herz einem Schuldner, der ihm eine geringe Summe schuldet, diese zu erlassen. So kann und darf es unter uns nicht zugehen. Doch wieviel Verletzungen, die passiert sind, auch in unserer Gemeinde werden nicht vergeben. Welche Schuld sind wir nicht bereit zu vergeben und tragen sie einem anderen nach? Lassen ihn und damit auch uns selbst nicht frei und schaden der Gemeinschaft, die Jesus Christus uns vorgelebt hat?

Liebe Gemeinde, dieses Ideal, was uns in der Apg. über die erste Gemeinde berichtet wird, bedeutet ja, dass die Gemeindeglieder existentiell miteinander verbunden sind. Es geht ja nicht darum, nur von seinem Überfluss abzugeben. Sondern darum, sein Eigentum der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Keiner hat seinen Besitz als sein Eigentum angesehen. Wie es in späteren Zeiten die Mönche getan haben und es bis heute tun. Aber es bedeutet eben auch, Hilfe anzunehmen. Zuzugeben, dass man auf materielle Hilfe angewiesen ist. Es ist eine Gemeinschaft, in der man es spürt und täglich erlebt, wie man aufeinander angewiesen ist. Und in der man bereit ist, sich füreinander einzusetzen, in der man offen für die Nöte und Sorgen des anderen ist.

 

 

Liebe Gemeinde, diesem Ideal versuchen wir bis heute nachzukommen. Und es gelingt uns mal mehr mal weniger. Die große Vision, dass alle ihren Besitz teilen, ist nicht verwirklicht. Doch unser Sozialstaat mit seinen hohen Abgaben ist auf christlicher Solidarität aufgebaut. Wir geben von unserem Besitz ab und ermöglichen damit, dass Gemeinschaft entsteht – auch in unserer Gemeinde. So entstand ein Gemeindehaus, in dem wir nun Gottesdienst feiern können und sich Gruppen und Kreise treffen können. So können wir eine Kirchenrenovierung durchführen, die unsere Kirche wieder zeitgemäß und attraktiv macht. Hierin zeigt sich die Solidarität für die Gemeinschaft. Doch dabei bleibt es nicht. Wir spenden nicht nur Geld, sondern geben auch unsere Zeit, unsere Fähigkeiten und Talente und unsere Kraft für die Gemeinschaft. Beim Bau, beim Organisieren und durchführen von Festen, im Chor und Posaunenchor, in der Musik, in der Kinder- u. Jugendarbeit, in der Erwachsenenarbeit, im Gottesdienst. Und wir brauchen noch mehr Hände und Köpfe, die mitdenken und mittun. Wir brauchen eine Mesnerin oder einen Mesner nach den Sommerferien, die sich Zeit am Sonntag morgen nimmt, um den Gottesdienstraum vorzubereiten. Wir brauchen Menschen, die von Gottes Geist gestärkt, mutig die Gemeinde leiten und für unsere Gemeinde sorgen. Wir brauchen Zeugen Jesu Christi, die wie die Apostel mit Wort und Tat auf Jesus Christus hinweisen. Was bist Du bereit, zu geben? Bist Du bereit, dich auf die Gemeinschaft nach dem Vorbild von Jesus Christus einzulassen? Eine Gemeinschaft, die vom Geben und Nehmen lebt, wo man füreinander da ist. Wo man sich von der Not des anderen berühren lässt. Wo man bereit ist, sich verletzlich zu zeigen? Denn als Gemeinde Jesu ist es unsere Aufgabe in der Kraft des Geistes Gottes füreinander zu sorgen, aufeinander zu achten und Sorgen und Nöte miteinander zu teilen. Wie jener Bäcker in der Jakobsstraße in Paris, von dem Heinrich Mertens erzählt. Er war schon alt geworden, sein Sohn führte die Bäckerei schon lange. Doch er verkauft noch das Brot. Und er weiß, dass man Brot nicht nur zum Sattessen brauchen kann. Manche erfahren das erst, wenn sie dort sind. Wie der Busfahrer, der einmal zufällig in die Bäckerei kommt. „Sie sehen bedrückt aus“ sagt der alte Bäcker. „Ich habe Angst um meine kleine Tochter“ antwortet der Busfahrer. „Sie ist gestern aus dem Fenster gefallen, vom zweiten Stock.“ „Wie alt?“ fragt der alte Bäcker. „Vier Jahre“ Da nimmt der alte Bäcker ein Stück Brot, das auf dem Ladentisch liegt, bricht es entzwei und gibt das eine Stück dem Busfahrer. „Essen Sie mit mir. Ich will an Sie und Ihre kleine Tochter denken.“ Der Busfahrer hat so etwas noch nie erlebt, aber er versteht sofort, was er alte Bäcker meint. Und sie essen beide ihr Brotstück. Sie schweigen und denken an das Kind im Krankenhaus. Da kommt eine Frau in den Laden. Sie hat auf dem nahen Markt Milch und Gemüse eingekauft, jetzt will sie nur noch schnell ein Brot kaufen. Doch bevor sie ihren Wunsch sagen kann, drückt ihr der alte Bäcker schon ein Stück vom Brot in die Hand. „Essen Sie mit uns! Die Tochter dieses Mannes ist aus dem Fenster gestürzt. Vier Jahre alt ist das Kind. Der Vater soll wissen, dass wir ihn nicht allein lassen.“ Und die Frau nimmt das Stück Brot und isst mit den beiden.

Liebe Gemeinde, wir sind eine solche Brotgemeinschaft. Verbunden mit Jesus Christus, der sein Leben mit uns teilt. So teilen auch wir miteinander unser Leben, unsere Freuden, Sorgen und Nöte. Und dabei dürfen wir seine Gnade und Güte erleben – wie es über die erste christliche Gemeine in Jerusalem heißt. Amen.

„Friede mit euch, Friede mit euch, mein Vater sandte mich, ich sende euch!“ Die Worte von Jesus sind mir im Ohr. Sie gehören zu einem Lied, das ich als Jugendlicher Woche für Woche mit meinem Jugendkreis im Krankenhaus in Backnang gesungen habe. Erst stimmten wir in der Mitte jeder Station zwei Lieder an, dann verteilten wir in den Zimmern einen geistlichen Impuls: „Friede mit euch!“

Aber hätten wir ihnen nicht Gesundheit wünschen müssen? Sie waren doch nicht im Krieg oder doch? Jesus tritt zu seinen Jüngern mit dem Friedensgruß und gibt ihnen damit, was ihnen fehlt, Frieden. Sie sind versammelt, aber selbst das Beieinandersein hilft nicht gegen ihre Angst und ihre Trauer, Angst um ihr Leben und ihre Zukunft, Trauer, weil Jesus nicht mehr da ist. Verschlossen sind ihre Türen, verschlossen ist auch ihr Herz. Die Angst und die Trauer haben sie im Griff. Da hinein tritt der Auferstandene selbst mit seinem Frieden.  Mitten im Sturm, in Angst und Panik vor dem Untergang steht Jesus auf und beruhigt das Meer. Die Wogen glätten sich. Die Jünger atmen auf. Wo ist Jesus ist, da kehrt Ruhe ein. Sein Wort bringt den Frieden. Die Geborgenheit in ihm. Vertrauen auf Gott, den Vater, der alles in seinen Händen hält. „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen“ so bekennt es der Psalmbeter im Psalm 118, den wir von Ostern bis Pfingsten gerne beten.

Liebe Gemeinde, bei der Sturmstillung heißt es: „und sie entsetzten sich und fragten: Wer ist der?“ An Ostern werden sie froh. Doch sind sie bereit zu dem, wozu Jesus sie nun beauftragt? Er fordert sie auf, aus ihren verschlossenen Türen zu treten und seinen Frieden in die Welt zu tragen. Nein, sie können es nicht allein. Nicht ohne den heiligen Geist. Der muss sie dazu befähigen. Und Jesus gibt ihnen seinen, den heiligen Geist. Und er gibt ihn auch uns. Auch wir sind gesandt, den Frieden Christi in die Welt zu tragen. Wir als Kirche, als Kirchengemeinde in unserem Ort. Sein Wort bringt auch heute noch Frieden. Sein Geist befähigt auch heute noch. Darum bin ich hier, um Gottes Wort öffentlich zu verkündigen. Doch jeder, der vom Frieden Gottes erreicht ist, ist aufgerufen, ihn weiterzugeben. Und da geht es nicht um große Evangelisationen. Da geht es nicht darum, dass wir als Missionare in den Dschungel gesandt werden. Es geht darum,  dass wir uns zu unseren Mitmenschen hin senden lassen und sie auf Jesus Christus und seinen Frieden aufmerksam machen – unseren Nachbarn, unseren Arbeitskollegen, unseren Freunden und ja, auch unseren Feinden.

„Wem ihr die Sünden erlasst, dem sind sie erlassen, wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten.“ Sollen wir darüber entscheiden, wem vergeben wird? So ist es nicht gemeint. Jesus sendet uns zu den Menschen. Er lädt jeden ein, sich versöhnen zu lassen. Ihn in sich aufzunehmen und damit Gottes Kind zu werden. Er lädt ein zu erleben, was die Jünger bei der Sturmstillung und nach Ostern erlebt haben: Seinen Frieden mitten im Sturm.

Wer ihn jedoch abweist, bleibt mit seiner Schuld allein und bleibt unversöhnt zurück. Nicht wir entscheiden, sondern die Menschen, die wir zu Jesus einladen entscheiden. Gottes Liebe will zu allen kommen. Wie können wir zu diesem Frieden einladen?

Wie oft aber sind wir verzagt und fürchten uns. Es geht uns wie den ersten Jüngern, die versammelt waren und die Türen verriegelt hatten. Auch wir verriegeln die Türen und wagen uns nicht hinaus. Ja, zur Zeit wagen wir es nicht einmal, uns in großer Zahl zu versammeln. Die Furcht vor dem Coronavirus geht um. Ich möchte die Gefahr nicht verharmlosen. Es ist gut, wenn wir uns schützen und um unsere Gesundheit sorgen. Doch Jesu Sendung, sein Auftrag gelten uns auch jetzt in dieser Situation. Wie können wir jetzt zu seinem Frieden einladen?

Indem wir unsere Augen offenhalten und unser Herz für die innere Stimme, wer unsere Hilfe braucht, unsere Ermutigung und unseren Beistand. Der heilige Geist legt es uns aufs Herz, nach diesem oder jener zu schauen. Ihn oder sie aufzusuchen. Der Heilige Geist setzt uns in Bewegung zu anderen hin: „Da luget dr Heilige Geischt von Haus zu Haus.“ schreibt der württembergische Reformator Martin Bucer über Besuche. Momentan ist es für mich und uns noch schwierig in die Häuser zu kommen. Aber zumindest vor die Haustüre. Wir können auch anrufen oder eine Karte oder einen Brief schreiben. Oder füreinander oder miteinander beten und uns so gegenseitig bestärken und trösten. Wir tun es im Auftrag Jesu und bringen seinen Geist mit. Der Heilige Geist kommt zu uns und bleibt und erfüllt unser Leben mit Frieden und Freude. Er verbindet uns untereinander. Wir sind nicht allein. Auch jetzt nicht. Amen.

Das Vaterunser

Heute wenden wir uns etwas ganz Kostbarem zu. Dem Vaterunser. Es ist der Schatz, den Jesus Christus seinen Jüngern und auch uns gibt. Das Gebet beginnt mit dieser wunderbaren Anrede: „Unser Vater!“ Jesus lebt als Sohn  ganz im Vertrauen zu seinem himmlischen Vater. Bei seiner Taufe öffnet sich der Himmel und Jesus hört die Stimme seines Vaters: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ Jesus lädt uns mit der Anrede in sein vertrauensvolles Verhältnis mit dem Vater ein. Es ist ein Vater, zu dem ich kommen darf, der immer ein offenes Ohr für seinen Sohn hat, der sich freut und lächelt, wenn er seinen Sohn sieht. Mir fällt das Gleichnis vom gütigen Vater (oder verlorenen Sohn) ein. So, sagt Jesus, ist Gott zu uns. Unendlich gütig und gut gesonnen. Nicht alle Väter sind so. Manche sind hartherzig, fordernd, sogar gemein. Und jeder irdische Vater ist auch mal gereizt. Aber Gott ist der gütige Vater. Zu ihm darf ich kommen mit allem, was mir auf dem Herzen liegt, immer!

Wenden wir uns den ersten drei Bitten zu. Hier wird unser Blick erst einmal von uns und unseren Bedürfnissen weg – auf Gott hin gelenkt. Erst mache ich mir bewusst, wer er ist und dass er an erster Stelle kommt. Erst Gott, dann alles andere:

Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Martin Luther sagt im Katechismus: „Gottes Name ist zwar an sich selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns heilig werde.“ Und dann fragt er: Wie geschieht das? „Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird, und wir auch heilig, als die Kinder Gottes, danach leben. Dazu hilf uns, lieber Vater im Himmel.“

Gottes Name wird geheiligt bei uns, wenn wir uns seinen Worten, seiner Sicht über die Welt und unser Leben aussetzen. Denn es spricht uns an und korrigiert uns, so dass wir geheiligt werden. Heilig sein können wir nicht aus uns selbst heraus. Heilig werden wir, indem Gott seine Hand auf uns legt und sagt: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter! In diesem Bewusstsein lebe und handle. Und dein Nachbar ist es auch, also behandle ihn ebenso.“ Wenn Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15) dann sagt er, dass er alles in mir tun wird, weil ich mit ihm verbunden bin.

„Dein Reich komme“ – so heißt die zweite Bitte. Martin Luther schreibt dazu: „Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst; aber wir bitten ihn in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.“ Wie geschieht das? „Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und danach leben, hier zeitlich und dort ewiglich.“

Ja, Gott soll kommen, sein Reich soll anbrechen auch hier auf dieser Erde schon. Luther fragt nach dem Landeplatz und Ort von dem diese Bewegung des Reiches Gottes ausgehen soll. Wie oft denken wir bei Veränderungen zuerst an den anderen, die Gesellschaft, die Welt. Doch die Veränderung muss bei uns beginnen. In mir ist es finster. Ich weiß nichts von Gott. Darum soll in mir sein heller Morgen aufgehen, soll die Sonne seiner Gerechtigkeit und Güte scheinen und mich lebendig machen, dass ich nach seinem Willen lebe.

So verändert das Vaterunser meine Haltung und mein Verhalten. Wenn ich mich über einen anderen Menschen ärgere, dann ist es gut, wenn ich für ihn bete. Sofort merke ich, dass es nicht angemessen ist, mich über ihn zu erheben und zu verurteilen. Und meine Reaktion fällt viel maßvoller aus.

In der Mitte des Vaterunsers steht die Bitte um das tägliche Brot. Wörtlich übersetzt heißt es: „Unser Brot für morgen gib uns heute.“ Mit dieser Brotbitte sind all unsere Bedürfnisse gemeint. All das, an was es uns körperlich und seelisch mangelt. Denn auch dafür will Gott sorgen. Wir brauchen keine Hemmungen haben, mit alltäglichen Dingen zu Gott zu kommen. Es ist genauso geistlich, um das tägliche Brot zu bitten als darum, ein guter Mensch zu werden. Es fordert vielleicht einen noch größeren Glauben, sich in ganz alltäglichen Dingen Gott anzuvertrauen. Wir wollen es so gern selbst im Griff haben, wenn wir in eine Notlage geraten sind. Aber plötzlich sind uns die Hände gebunden. Vielleicht zermürbt uns diese Krise deshalb so sehr, weil wir spüren, wie machtlos wir sind. Menschen in den armen Ländern dieser Welt, die nicht wissen, woher das Brot für morgen kommen soll geht es immer so. Und wenn wir um das tägliche Brot bitten, so ist uns diese Bitte zugleich eine Aufforderung, uns ihrer Not nicht zu entziehen, sondern mitzuhelfen, dass alle Menschen ihr tägliches Brot essen können.

Wir kommen zu den drei letzten Bitten. In diesen letzten Bitten werden unsere geistlichen Gefährdungen genannt: Schuld, Versuchung und das Böse.

Es sind Mächte, die uns versklaven wollen, die uns binden wollen an sich. Gott schickt seinen Sohn Jesus, um uns davon zu lösen. Weil wir verstrickt sind in das Böse ist Jesus für uns gestorben. Im Vertrauen darauf, dass er es gut mit uns meint, dürfen wir um Vergebung bitten und auf einen neuen Anfang hoffen. Wir dürfen seine Hand ergreifen, die uns heraushilft.

Wir können Gott aber nicht um seine Vergebung bitten, und  gleichzeitig anderen Menschen, die an uns schuldig geworden sind, die Vergebung verweigern. Wer selbst Gottes Barmherzigkeit in Anspruch nimmt, wie kann der gegen andere unbarmherzig sein?

Wir bitten ihn weiter, dass er uns nicht in Versuchung führt. Gott selbst versucht niemand (Jakobus 1,13), aber wir bitten ihn, dass er uns in den vielen Versuchungen, denen wir ausgesetzt sind behütet. Ein Leben ohne Versuchung gibt es nicht. Jede und jeder hat seinen und ihren Schwachpunkt (Reichtum, Macht, Gier, Neid, Geiz,…), an der er oder sie versuchlich ist.

Die Bitte um die Erlösung und Befreiung vom Bösen gesteht schließlich ein: Nur Gott kann und wird diese Welt und uns von der Macht des Bösen befreien. Mit Gewalt geht das nicht. Mit Verdrängung geht es nicht, mit allem gutem Willen geht es nicht. Gott allein hat die Macht, das Böse zu überwinden. Darum bitten wir ihn um das Kommen seines Reiches.

Wir sehen, liebe Gemeinde, wie uns dieses Gebet mit hinein nimmt in die Geschichte Gottes mit dieser Welt. In den großen Kampf, der um die Welt und uns selbst tobt. Das Mittel, diesen Kampf zu bestehen, ist das Gebet. Jesus fordert uns nicht bloß auf, zu beten, sondern gibt uns mit dem Vaterunser Gebetsworte mit, damit wir für den geistlichen Kampf gerüstet sind.  Amen.

 

Der Glaube lebt von Gottes Wort und dem Gebet.

Liebe Gemeinde,

draußen in der Natur ist wieder alles grün geworden. Nach den kahlen Wintermonaten empfinde ich das als große Wohltat. Es tut meinen Augen und meinem Gemüt gut, nicht länger auf kahle Äste zu blicken, sondern ein zuerst zartes und jetzt schon kräftiges Grün zu sehen. Und die Melodie des Kirchen- u. Volksliedes Wie lieblich ist der Maien steigt unweigerlich in mir auf. Dieses Lied stammt von dem Pfarrer Martin Behm aus Lauban, aus der Oberlausitz. Er veröffentlichte es 1606 als ein Gebet in seinem Kirchenkalender, in dem er für jeden Monat des Jahres eine Predigt schrieb, die mit einem gereimten Gebet endet, das den Inhalt zusammenfasst. Sein Gebet fand jahrhundertelang als Kirchenlied keine Verwendung, erstmals erscheint es im Gesangbuch von 1950 und zwar mit einer freudig „laufenden“, beschwingten und eingängigen Melodie von Johann Steuerlein, der ebenfalls im 16 Jh. gelebt hat. Auf die gleiche Melodie hat Martha Müller-Zitzke im 20 Jh. eine Nachdichtung von Psalm 104 geschaffen: „Auf, Seele, Gott zu loben“ (EG 602). Der Psalm 104, den wir zu Eingang gehört haben, spielt auch in Martin Behms Gebet eine wichtige Rolle.

Wir singen den 1. Vers

Das Lied beginnt mit der Beschreibung der erwachenden Natur im Frühling. Es grünt und blüht. Darüber freuen sich nicht nur die Tiere, die ausgelassen in Feld und Wald tollen und der Vögel, deren Lied erklingt, sondern auch der Mensch. Wem geht beim Anblick der Natur nicht das Herz auf?  Unsere Freude über die erwachende Natur sollen wir aber nicht für uns behalten, sondern sie soll als Dankbarkeit zu dem Geber aller Gaben zurückkehren. Die Tiere machen es uns vor. Denn: dass der Mai so lieblich ist stammt von Gottes Güte.

Wir singen den 2. Vers

Der zweite Vers nimmt das Lob Gottes auf: „Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!“ Wenn wir von anderen beschenkt werden, ist es unser Bedürfnis, uns zu bedanken. Aber bei Gott vergessen wir es so schnell! Wir vergessen den Geber über den Gaben. Dabei freut sich Gott darüber auch, wenn wir nicht achtlos an seiner Güte vorübergehen. Und die Freude über die Natur wird umso größer, wenn wir den loben, der sie uns gibt. Ja, die Freude an Gott ist eine tiefe und erfüllende Freude. Es ist unglaublich schön, mit IHM im Einklang zu leben.

Zum Dank aber kommt die Bitte. Dass die Natur so schön blüht und grünt ist erst einmal etwas für die Augen und das Gemüt. Doch alle Lebewesen brauchen auch Nahrung. Die Blüten und Blätter sind Verheißung auf eine gute Ernte, die aber nur eintritt, wenn die Witterung mitmacht. Martin Behm bittet Gott um gutes Wetter: Drum wollst du von uns wenden, Mehltau, Frost, Reif und Schloß – bringt das was? Darf man das? Dass Gott die Macht dazu hat, das Wetter zu beeinflussen – daran glaubt der Dichter felsenfest: Es steht in Deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß. Und wir? Sind wir nicht heute über einen solchen Glauben hinaus? Glauben wir nicht lieber an die Wissenschaft, die Wetter und Klima mit wissenschaftlichen Methoden und Modellen betrachtet und vorhersagt? Ihre Vorhersagen sind doch erstaunlich gut. Wir setzen Hagelflugzeuge und Wassersprenger ein, vereisen Blüten, um sie vor dem Frost zu schützen. Doch unsere Möglichkeiten sind auch heute sehr begrenzt. Es steht nicht in unseren Händen das Wetter zu machen – wie wir erschrocken in Zeiten des Klimawandels feststellen müssen. Ob Gebete da etwas nützen? Doch welches Gebet erhört Gott, wenn der eine für Regen, der andere für Sonne betet. Ich habe es immer wieder erlebt, dass Gott auf Gebete hin passendes Wetter geschenkt hat. Um einen guten Draht nach oben geht es dabei nicht.  Es gab auch gegenteilige Erfahrungen. Doch wir dürfen Gott um alles bitten. Und die Ernte, ja letztlich alle unsere Mühe und Arbeit ist angewiesen darauf, dass sie Lohn und Früchte bringt, es einen Ertrag gibt, von dem wir leben können. Eine Frostnacht genügt und die Ernte ist vernichtet oder ein einziges Hagelunwetter und Dächer und Fenster sind zerstört. Beides haben wir in den letzten Jahren erlebt. Wir haben es nicht in unseren Händen, Gott aber dürfen wir darum bitten. Auch wenn ER unsere Gebete nicht immer so erhört, wie wir es uns wünschen, wie oft erhört Gott sie und wir haben es schon vergessen, dass wir darum beten. Ich muss in diesen Tagen immer wieder daran denken, dass vermutlich auch zum Rückgang der coronainfizierten Menschen die trockene Witterung beigetragen hat, die just zu dem Zeitpunkt eingesetzt hat, als die ersten politischen Maßnahmen gegen die Epidemie erfolgt sind. Ich sehe es als ein gütiges Zeichen Gottes und danke ihm dafür.

Wir singen den 3. Vers

Der Dichter bittet Gott weiter, dass die Sonne, die draußen scheint, bis hinein in mein „finstres Herz“ scheint.  Denn auch das ist unsere Erfahrung: Es kann draußen um uns herum noch so herrlich blühen und grünen, wenn wir traurig sind, ist alles nichts. Wir haben keine Augen dafür und können es nicht aufnehmen. Dann erfreut uns nichts. Wir bleiben in uns stecken. Der Dichter bringt darum Gottes Wort ins Spiel. Sein Wort in sich aufzunehmen kann wie die Natur  Quelle der Freude für unser Herz sein. Sein Wort ruft uns aus der Verkrümmung heraus und kann uns selbst in Schmerzen und Not aufrichten. „Im Kreuz“ nennt der Dichter solche dunklen Erfahrungen. Christus hat das Kreuz getragen. Sein Kreuz tröstet in der Not und es weist des Himmels Pfort. Weil es uns den Weg zum Himmel öffnet und zum Vertrauen und Glauben an den einlädt, der durch den Tod hindurch den Weg in den Himmel auftut. Wenn wir diesen schönen Mai genießen können, dann ist es prima. Wenn wir gerade in Trübsal feststecken, weist uns Jesu Kreuz auf eine Hoffnung hin, die stärker als Not, Schmerzen und Traurigkeit sind. Verbunden mit ihm dürfen wir der ewigen Heimat entgegen wandern.

 

Wir singen den 4. Vers

Die letzte Bitte des Dichters richtet sich auf die Arbeit und den Glauben. Beide bedürfen der Hilfe Gottes. Jede Arbeit – nicht nur die Landwirtschaft kann umsonst sein, vergebliche Mühe, alle Anstrengung für nichts und wieder nichts. Als Pfarrer hat Martin Behm vermutlich zunächst seine eigene Tätigkeit vor Augen: Unterrichten, predigen, Seelsorge üben, Gemeinde leiten. Ob seine Gottesdienste gut besucht waren? Ob er durch seine Predigtermutigungen trösten konnte, ob die Zuhörer auf seinen Rat hören wollten? Und sicher hatte er auch die Arbeit seiner Gemeindeglieder im Blick, die wohl in der Mehrzahl in der Landwirtschaft tätig waren. Egal, welche Arbeit wir verrichten – sein Segen lässt die Mühe unserer Arbeit Frucht tragen zu unserer Freude und zu Gottes Ehre. Er gibt aber auch dann, wenn unsere Arbeit scheinbar scheitert. Um wieviel mehr sind wir im Glauben auf Gottes Gnade angewiesen.  Nur in der Verbindung mit Jesus können wir reifen und Früchte bringen. Nichts können wir Gott bringen, aber  alles dürfen wir von ihm empfangen. Amen.

– demnächst verfügbar –

Liebe Gemeinde,

Haben Sie es auch gesehen? Vermutlich ging es Ihnen wie mir: Als am Abend des Ostersonntags ein wunderschöner Regenbogen über dem Voralbgebiet geleuchtet hat, war das für mich ein Zeichen der Hoffnung.  

Und ich musste denken: Gott meint es gut mit uns. Nach einem kurzen Regenschauer zeigte sich die untergehende Sonne und schickte ihre Strahlen gegen eine nach Osten abziehende dunkle Wolkenwand. In schillernden Farben, in einem Doppelbogen, kräftig und erhaben stand der Regenbogen in dieser dunklen Wolkenwand. 

Gerade an diesem Osterfest, an dem wir soviel entbehren mussten, was zu diesem schönen Fest gehört: Gottesdienste, Besuche, gemeinsames Essen. Es war ein Ostern, in dem das Leben stark eingeschränkt war, gerade an diesem Ostern gibt uns Gott ein Zeichen der Hoffnung gegen alle Trübsinnigkeit. 

Und was ich besonders schön am Hattenhöfer Pfarrhaus finde: In der Mitte jedes Regenbogens, der vom Pfarrhaus aus zu sehen ist, steht exakt unsere Ägidiuskirche. Und die Spitze des Turmes zeigt in den Zenit des Regenbogens und weißt mich darauf hin, dass meine Hoffnung von Gott her kommt. 

In unserem Wochenspruch kommt das zum Ausdruck: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ 

So schreibt es Petrus in seinem Brief an einige Gemeinden in der Provinz Asien, der heutigen Türkei (1.Petr.1,3). Gott hat uns wiedergeboren. Er hat sozusagen einen Neustart des Lebens gemacht. Damals nach der Sintflut für alles Leben das noch übrig geblieben war  – ein Neustart aber immer noch unter denselben Bedingungen der Vergänglichkeit. 

Auch Jesus hat unter diesen Bedingungen der Vergänglichkeit gelebt und ist gestorben. Doch durch seinen Tod und seine Auferstehung macht Gott einen Neustart, der nicht mehr unter der Macht des Todes steht, denn der Tod ist besiegt. Und die Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben lässt uns alles in einem neuen Licht sehen. Diese Hoffnung erweckt uns jetzt schon zu neuem Leben. Wie eine Wiedergeburt ist das, schreibt Petrus. Wie bei der Geburt neues Leben zur Welt kommt, wie sich die Lungen des Säuglings beim ersten Atemzug mit Sauerstoff füllen, so kommt Gottes Geist in unsere lahmen Glieder hinein. Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kinder – heißt darum auch der Name des heutigen Sonntags.

Wer Hoffnung hat, der lebt anders. Wer etwas erwartet, kann manches besser ertragen als einer, der auf nichts wartet. Wie jener Student, der mit einem Kommilitonen, einem Mitstudenten eine winzige Wohnung bewohnte. Im Prüfungsstress kamen beide nicht mehr heraus und die Decke wollte beiden auf den Kopf fallen. Doch einer kam viel besser damit zurecht als der andere. Denn direkt nach der Prüfung wollte er heiraten. Er freute sich, endlich mit seiner künftigen Frau für immer zusammen zu sein. Wer hofft, der spürt, dass sein Leben einen Sinn hat. Das gibt Geduld und Ausdauer auch für manche Durststrecken. Auch für die momentanen Einschränkungen ist es für uns sehr hilfreich und motivierend, wenn wir um eine Frist wissen, an der die Einschränkungen der privaten Kontakte und des öffentlichen Lebens aufgehoben werden. 

Worauf hoffst Du? Dass Du wieder gesund wirst? Dass Du Deinen Arbeitsplatz nicht verlierst? Dass nach Streit wieder Versöhnung möglich ist? 

Hoffnung zu haben ist ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass wir noch am Leben sind und nicht lebendig begraben sind. Unsere Gesellschaft, ja die Welt hofft darauf, dass wir vom Würgegriff des Coronavirus befreit werden und sich das Leben wieder normalisiert. Doch reicht das? Ist das nicht auch eine trügerische Hoffnung? Wäre das nicht nur eine Hoffnung für den Teil, dem es vor dem Virus gutgegangen ist? Was aber ist mit denen, die unter der Normalität, die man sich wieder herbeisehnt, gelitten haben? Gibt es für die keine Hoffnung? Es sind ja nicht wenige! Unsere Welt liegt im Argen, viele Menschen leiden und leben in menschenunwürdigen Zuständen, ja unsere Schöpfung seufzt unter der Last durch unseren ausbeutenden Lebensstil. 

Es braucht ein neues Denken, eine neue Haltung, eine neue Solidarität. Ja, wir selbst müssen neu werden, wir kleben so an der Vergangenheit, wir kleben an Verletzungen, wir hängen an alten Gewohnheiten. Wir sind verstrickt in Schuld und gefangen in Sünde. „Herr, erbarme dich!“ 

Dieses Stoßgebet, das Menschen an den Sohn Gottes immer wieder verzweifelt gerichtet haben, kann auch unser Stoßgebet sein. Denn das wir neu werden, ist möglich. Das sagt uns die Auferstehung Jesu, die wir an Ostern und jeden Sonntag feiern. Sie zeigt uns aber auch, dass wir die Veränderung nicht selbst machen können. Es liegt an Gottes Gnade und Barmherzigkeit. „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ Amen.

Liebe Gemeinde,

was haben Ostern und das Coronavirus gemeinsam? Beide sind ansteckend. Und zwar exponentiell. Beim Virus erfahren wir das gerade täglich beim Coronaticker. Aber Ostern? Nun ja, zuerst waren es zwei Engel, die die Osterbotschaft verkündigt haben: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ (Lk 24,5f.) Drei Frauen, Maria von Magdala und Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus werden von der Botschaft des Engels angesteckt. Sie gehen zu den Jüngern und erzählen ihnen, was sie am Grab erlebt haben. Doch die bleiben gegen diese Worte zunächst immun. Erst als Ihnen Jesus selbst begegnet, glauben sie der Botschaft seiner Auferstehung. Später erscheint er 500 Menschen auf einmal und an Pfingsten – so erzählt es die Apostelgeschichte, als Petrus die Osterbotschaft verkündigt, stecken sich 3000 auf einen Schlag an. Die erste Gemeinde entsteht in Jerusalem. Der Hotspot des christlichen Glaubens. Und von dort breitet sich die Botschaft der Auferstehung Jesu durch die Apostel in die ganze Welt hin aus. So hat es der Evangelist Lukas in der Apostelgeschichte festgehalten: „Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen… und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“ (Apg. 1,8) Heute glauben über 1 Mrd. Menschen an die Auferstehung Jesu.

Liebe Gemeinde,

sonst sind wir in diesem Osterfrühgottesdienst immer gemeinsam hinaus gegangen und haben draußen im Hof miteinander gesungen und Abendmahl gefeiert. Heute können wir das nicht. Und trotzdem freuen wir uns, weil auch wir glauben, dass Jesus lebt! Ja, Halleluja, Jesus lebt! Was für eine Freude! Der Tod ist besiegt! Wir dürfen in der Gemeinschaft mit unserem himmlischen Vater leben. Jesus ist durch seinen Geist mitten unter uns. Er ermutigt und befreit zum Leben, damit wir die Fesseln und Mauern der Angst und des Todes überwinden. Wie der Stein den Auferstandenen nicht im Grab verschließen konnte, sondern frei geben musste, so lassen wir uns nicht aufhalten. Auch in schwierigen Zeiten lassen wir uns von dieser Hoffnung leiten. Dann müssen wir nicht egoistisch wie ein Virus nur uns selbst kopieren, sondern können so leben, dass auch andere zum Zug kommen und wir gemeinsam und miteinander das Leben teilen. Denn das Virus bringt den Tod, aber die ansteckende Botschaft der Hoffnung von Ostern führt zum Leben. Das Virus erzeugt Angst, aber Osternt erzeugt Freude, die sich in Liebe verströmt. Das ist der große Unterschied!

Darum vermissen wir als Gemeinde die Gemeinschaft in diesen gemeinen Zeiten der Distanznahme so sehr und wir suchen nach Wegen, wie wir trotzdem miteinander verbunden sein können. Darum denken wir in diesen Zeiten nicht nur an uns, sondern haben einander im Blick. Wir halten Kontakt und fragen nach: „Wie geht es Dir? Fehlt Dir etwas?“ Wir halten die Augen füreinander offen und kämpfen so gegen Einsamkeit und Traurigkeit an. Und wir beten miteinander und suchen die Gemeinschaft mit Gott. Er ist letzter Halt, im Leben und im Sterben. Denn mit ihm gehen wir trotz Sterben auf das Leben zu. In diesem Sinne ein frohes Osterfest! Amen.